REPORT
Eine Woche unter Blackhawks
In der Öffentlichkeit wird meist die Spitzengruppe der NHL mit besonderem Interesse beäugt. Kleinere Teams, oder Teams die nicht den großen sportlichen Erfolg haben, werden in der Regel deutlich weniger beachtet, gerade hier von Europa aus. Auch daher hat es mich besonders gereizt im Frühjahr einmal ein Team mit großer Tradition unter die Lupe zu nehmen, welches seit Jahren sportliche Probleme hat und die Playoffs seit Jahren mehr oder weniger regelmäßig verpasst und daher etwas aus dem Focus der aktuellen NHL-Berichterstattung gerutscht ist: die Chicago Blackhawks.
Einmal die Stimmung jenseits der momentan erfolgreichen und hofierten NHL-Teams fühlen und beobachten wie der 'traurige' NHL-Alltag eines Teams vor Ort aussieht wenn die große Begeisterung rund um ein Team einfach derzeit nicht aufkommen mag, und die Fans der Mannschaft nicht mehr all zu sehr gewogen sind. All dies sollte mir in einer 'Woche unter Blackhawks' gelingen.
Drei Heimspiele hatte ich mir dafür ausgesucht. Es bliebe also an den vier spielfreien Tagen auch noch genügend Zeit, neben den Morningskates an den Spieltagen, zusätzlich in Ruhe das 'normale' Training der Hawks im Trainingscenter außerhalb der Stadt zu beobachten oder auch mal abseits des United Centers nach Spuren der Blackhawks in Chicago zu suchen. Und die Begegnungen gegen St. Louis, Colorado und Detroit boten zudem einen netten Querschnitt durch die Gegner. Vom Titelkandidaten aus Detroit, über den Playoffwackelkandidaten aus Denver, bis hin zum ebenfalls in großen sportlichen Problemen steckenden Team aus St.Louis waren somit verschiedene Kaliber an Gegnern vertreten.
Den Auftakt bildete das Heimspiel gegen St. Louis. Wie erwartet präsentierte sich das riesige United Center an diesem Nachmittag nicht einmal halbvoll als die Begegnung fahrt aufnahm. Eine Begegnung auf NHL-Spitzenniveau war natürlich auch nicht zu erwarten. Hinzu kam, dass die Blues natürlich als Divisionsrivalen auch ganze vier mal pro Saison im United Center auftreten. Auffällig war die live gespielte Orgelmusik in der Halle. Dies hatte ich in anderen NHL-Hallen auch schon erlebt. Jedoch verbreitete der Organist der Hawks einen so schwermütigen Sound in der Halle das ich mich fragte ob er sich bereits von der negativen Grundstimmung hatte anstecken lassen, oder ob er diesen Sound wohl auch präsentieren würde wenn die Playoffs noch in Reichweite gewesen wären?
Die Hawks gewannen das Spiel übrigens relativ locker mit 5:1 Toren. Stimmung wollte im halbleeren Rund jedoch trotzdem nicht so recht aufkommen.
Nun gut, dachte ich mir, soweit war alles im Rahmen der Erwartungen. Dem Training am nächsten Morgen sah ich somit relativ optimistisch entgegen. Nach einem Heimsieg wäre die Stimmung bestimmt recht locker und die Spieler offen und umgänglich, erhoffte ich mir.
Und so war es auch. Strahlende Gesichter am Morgen im Trainingscenter bei den Blackhawks. Offensichtlich hatte die Mannschaft, trotz der erneut enttäuschend verlaufenden Spielzeit, noch immer Spaß am Training.
Das öffentlich zugängliche Training wurde höchstens von 20 Zuschauer begleitet. Sicherheitsmaßnahmen konnte ich keine feststellen. Alles verlief locker und unkompliziert. Das hatte ich früher bei anderen Teams auch schon mal anders erlebt. Nach dem Training gaben die Spieler den wenigen Interessenten bereitwillig Autogramme.
Am Abend wollte ich einen Blick in die AHL werfen und besuchte die Chicago Wolves, die eine nahezu ausverkaufte Halle präsentieren konnten. Das Potenzial für Hockey in Chicago ist also offensichtlich noch da, dachte ich mir. Und im Gespräch mit anderen Besuchern der 'Allstate-Arena' nahe des großen O`Hare-Flughafens erfuhr ich auch warum: "Warum soll ich 50 Dollar für die unmotivierten Söldner der Blackhawks ausgeben, wenn ich hier für 20 Dollar ein hoch motiviertes, junges AHL-Team aus Chicago sehen kann?", fragte sich ein offensichtlich abgeschreckter ehemaliger Hawks-Fan. Das leuchtete dann auch mir ein, denn die Leistung der Wolves war wirklich sehr ordentlich und die Stimmung wesentlich besser als noch am Tag zuvor im halb leeren, riesigen United Center.
Den Rest des interesannten Berichtes findet ihr hier!!!
http://www.eishockey.com/berichte/hgrund07112.htm