Peking 2008 - Lurz: "Vor Freude geweint"
Letztes Jahr hat sie über die 200 Meter Freistil den deutschen Rekord von Franziska van Almsick geknackt. Im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de spricht Annika Lurz über ihre ersten Olympischen Spiele in Peking, was sie dort ereichen kann und warum ein Boykott für sie nicht in Frage kommt.
Sie haben sich bei der deutschen Ausscheidung in Berlin über die 200 Meter Freistil erstmals für Olympische Spiele qualifiziert. Was bedeutet es Ihnen dabei zu sein?
Annika Lurz: Es ist für jeden Sportler das Größte, sich einen Olympioniken nennen zu können. Auch für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Danach war ich sehr erleichtert und habe viele Freudentränen vergossen.
Welche Ziele haben Sie sich für Peking gesetzt und wie schätzen Sie ihre Chancen ein?
Lurz: Die Leistungsdichte ist im letzten Jahr extrem zusammen gerückt und die Konkurrenz ist groß. Mein Ziel ist es den Endlauf zu erreichen.
Müssen sie in den Bereich Ihres deutschen Rekords (1:55,68 Minuten bei der WM 2007 in Melbourne) kommen und vorne mit zu schwimmen?
Lurz: Ja, ich denke schon, dass ich auf jeden Fall eine ähnliche Zeit schwimmen muss.
Wie beurteilen Sie den Verzicht von Britta Steffen auf die 4x200 Meter Staffel und wie stark ist die Staffel ohne sie?
Lurz: Es ist schwer zu sagen, da noch gar nicht feststeht, wer an den Start geht. Ich sehe es aber als meine Aufgabe die anderen Schwimmerinnen zu pushen. Wir haben auch ohne Britta unsere Möglichkeiten, aber natürlich sind wir geschwächt.
Ende Juli fliegen Sie als letzte Station vor Peking nach Kumamoto in Japan. Wie sieht Ihre Vorbereitung dort aus?
Lurz: Einen konkreten Trainingsplan habe ich noch gar nicht. In den kommenden Wochen werde ich mein Kilometervolumen von rund 60 auf 30 km pro Woche reduzieren. Auch die Intensität der Einheiten nimmt dann ab. In Japan bin ich eigentlich nur, um mich zu akklimatisieren und mich der Zeitzone anzupassen.
Bei den China Open im Januar sind Sie schon im "Water Cube" in Peking geschwommen. Wie sind die Bedingungen dort?
Lurz: Absolut top. Es ist ein moderner Komplex mit einem wirklich sehr schönen Becken. Überall sind Flatscreens. Außerdem gibt es Über- und Unterwasserkameras. Wir haben dort alles was wir brauchen.
Wie stellen Sie sich den Alltag während der Spiele im Olympischen Dorf vor?
Lurz: Da ich zum ersten Mal dabei bin, weiß ich gar nicht genau, was mich erwartet. Ich stelle es mir aber ähnlich vor wie bei der Universiade. Die habe ich als Studentin ja schon einmal miterlebt.
Werden Sie sich andere Wettbewerbe ansehen?
Lurz: Ja, unsere Wettkämpfe sind schon in der ersten Woche. Danach will ich mir auf jeden Fall die Freiluftschwimmer mit meinem Schwager Thomas Lurz ansehen. Außerdem würde ich gerne bei der Leichtathletik, beim Tennis und den Beachvolleyballern zusehen.
Welche/r DSV-Starter/in hat Ihrer Meinung nach die größten Aussichten auf eine Medaille?
Lurz: Im Becken auf jeden Fall Britta Steffen. Thomas Lurz ist im Freiwasser für mich ein ganz großer Kandidat.
Seit der Zusammenarbeit mit Ihrem Trainer und Ehemann Stefan Lurz erzielen Sie Ihre bisher besten Resultate. Wie erklären Sie sich das?
Lurz: Er kennt mich natürlich sehr gut und weiß wie er in bestimmten Situationen am besten mit mir umgeht. Außerdem ist er ja auch Cheftrainer bei unserem Verein in Würzburg und hat veranlasst, dass ich mein Krafttraining ausbaue.
Erwarten Sie Doping-Fälle bei den Schwimmern?
Lurz: Ich kann mir das schon vorstellen. Man kann aber für keinen, außer sich selbst, die Hand ins Feuer legen.
Wie oft sind Sie in diesem Jahr schon kontrolliert worden?
Lurz: Das kann ich gar nicht mehr zählen. Wir müssen ständig Urin- und Blutproben abgeben. Während der Ausscheidung in Berlin wurde ich insgesamt drei Mal getestet.
Werden Sie an der Eröffnungsfeier in Peking teilnehmen oder kommt ein Boykott für Sie in Frage?
Lurz: Nein, ein Boykott steht für mich nicht zur Debatte. Meine Wettkämpfe beginnen erst am dritten Tag, daher würde ich auf jeden Fall gerne dabei sein. Ich kann mich allerdings noch in die 4x200 Meter Staffel schwimmen. Diese findet gleich am ersten Tag statt. Dann wäre die Eröffnungsfeier natürlich tabu.
quelle eurosport.de
http://de.eurosport.yahoo.com/18072008/7...de-geweint.html