Hier noch ein Artikel dazu von t-online
Jaksche sorgt für Schock - "Laden dichtmachen"
Die Enthüllungen von Jörg Jaksche haben die Doping-Praktiken im Radsport schonungslos offengelegt und jede Illusion von einer sauberen Tour de France zerstört. "Das ging über mein Vorstellungsvermögen. Der Radsport ist dabei, sich mit der Kraft eines Selbstmörders zu zerstören", sagte Hans-Michael Holczer, Manager des Gerolsteiner-Teams und empfahl, "den Laden ein Vierteljahr zu schließen". Die von Jaksche beschuldigten Teamleiter Walter Godefroot (früher Telekom, heute Betreuer des Astana-Teams mit den Tour-Favoriten Winokurow und Klöden) und Gianluigi Stanga (früher Polti, heute Teammanager beim Milram-Team mit Erik Zabel) reagierten unterdessen entrüstet und bezichtigten Jaksche der Lüge. Auch die direkt oder indirekt angesprochenen Rennfahrer Jens Voigt und Alexander Winokurow zeigten die branchenüblichen Reaktionen und gingen zum Gegenschlag über.
Winokurow wirft Jaksche Geldgier vor
So warf Winokurow Jaksche Geldgier vor, weil der Ex-Kollege für sein Geständnis die stattliche Summe von 100.000 Euro eingestrichen haben soll: "Ich habe genug von all diesen Bekenntnissen, für die viel Geld bezahlt wird. Es ist wie im Film. Für 100.000 Euro reden einige Leute den Anklägern nach dem Mund." Voigt, der zu Jaksche während der Tour de France 1998 gesagt haben soll: "Einer hat bei uns vorgeschlagen, alles entlang der Strecke zu vergraben und nach der Tour abzuholen", wollte sich an die Aussage nicht erinnern.
Godefroot: "Jörg lügt"
Godefroot, von Jaksche der aktiven Mitwisserschaft bezichtigt, sagte: "Jörg lügt. Ich habe auf meiner Pressekonferenz vor Wochen bereits alles erklärt. Dabei bleibe ich." Jaksche hatte über seine Telekom-Zeit (1999/2000) von einem "fest installierten System" gesprochen. Er habe das Team verlassen müssen, weil er das System nicht begriffen habe. "Jörg weiß besser als ich, dass das nicht stimmt. Er ist aus dem Team gegangen, weil er sich finanziell verbessert hat. Er hätte bleiben können", sagte Godefroot.
Stanga: "Komplett falsche Behauptung"
Die schwersten Anschuldigungen richtete Jaksche gegen seinen damaligen Polti-Teamchef Stanga, der heute die Geschicke des Milram-Rennstalls leitet. Stanga habe ihn damals zum Doping geführt, behauptet Jaksche. Der 57-jährige Italiener wies die Vorwürfe als "absurd" zurück. "Das ist eine komplett falsche Behauptung. Ich habe mir nie erlaubt, irgendjemandem Medikamente anzubieten", sagte Stanga bei "ZDF-online". Die Luft für den Italiener wird aber inzwischen dünner. Der Nordmilch-Konzern, der den Rennstall finanziert, hat Stanga zum Rapport gebeten. "Wir haben die Aussagen von Jaksche zur Kenntnis genommen. Nun muss sich Stanga erklären, und dann werden wir eine Entscheidung treffen", sagte Marketing-Chef Martin Mischel. Auch die Mitgliedschaft des ebenfalls geständigen Dopingsünders Erik Zabel im Milram-Team soll im Herbst noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden, kündigte der Sponsor an.
Entrüstet zeigte sich auch Jaksches ehemaliger Manager Tony Rominger. "Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Schade, dass Jörg Unwahrheiten erzählt. Ich bin geradezu schockiert", sagte der frühere Tour-Zweite und schloss eine Klage nicht aus. Jaksche hatte behauptet, Rominger hätte bei dem damaligen Liberty-Teamchef Manolo Saiz für seinen Spitzenfahrer "eine bessere medizinische Betreuung" gefordert. Jaksche konkretisierte inzwischen, dass es sich bei dem Fahrer wohl um Winokurow gehandelt hat. Auf dessen Geldgier-Vorwurf erwiderte Jaksche: "Ich habe seinen Namen nicht direkt erwähnt. Wenn sich Winokurow dennoch angesprochen fühlt, sagt das auch einiges."
Holczer regt Astana-Ausschluss an
Jaksche erntete für seine Doping-Beichte allerdings auch Lob. "Der Mann hat Mut. Das ist vielleicht die einzige Chance, an die Hintermänner des Dopings heranzukommen. Den Boden des Fasses haben wir aber noch nicht gesehen", sagte der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping. Ganz ähnlich fällt die Einschätzung von Gerolsteiner-Teamchef Holczer aus: "Die Tour-Organisation wird nun genau schauen, wen sie dabei haben will. Bei Astana fehlt nach den Dopingfällen Kessler und Mazzoleni noch ein Fall, dann würde der Ethik-Code greifen, nach dem Teams mit drei Doping-Fällen für vier Wochen gesperrt würden. Mal sehen, wie die UCI reagiert - Jaksche hat ja Winokurow nicht gerade unverdächtig gelassen."
Diskussionen über Tour-Ausschlüsse am Donnerstag
Am Donnerstag treffen sich die Rennställe in London. Dort wird über mögliche Ausschlüsse diskutiert. Neben dem kasachischen Astana-Team droht auch der ehemaligen Armstrong-Equipe Discovery Channel, Lampre, Saunier Duval und Caisse d'Epargne um Kapitän Alejandro Valverde das Aus für die Tour de France. Dass Valverde in den Fuentes-Skandal verwickelt ist, gilt als nahezu gesichert, auch wenn sein Name bisher nicht auf den Listen auftaucht. Dafür gebe "es wohl sportpolitische Interessen, weil er Spaniens große Radsporthoffnung ist", vermutet Jaksche im "Spiegel".
Nicht überrascht von Ullrich-Verwicklung
Dass Jan Ullrich zu der Kundenkartei von Fuentes zählt, hat Jaksche nach eigener Aussage nicht überrascht. "Gewundert hat mich damals gar nichts mehr, selbst wenn der König von Spanien auf der Liste gestanden hätte", sagte er. Nach Jaksches Wissen sind in den Skandal um den spanischen Doping-Arzt viel mehr Fahrer verwickelt als bisher bekannt wurde: "Es gibt auch unterschiedliche Versionen dieser Liste, plötzlich fehlten Namen. Da hat es eine Selektion gegeben. Am Ende standen fast nur die Fahrer aus meinem Team Liberty Seguros drauf und ein paar große wie Ullrich oder Basso."
CSC erwägt rechtliche Schritte gegen Riis
Der dänische Rennstall CSC, bei dem Ivan Basso zum Zeitpunkt seines Tour-Ausschluss unter Vertrag stand, erwägt inzwischen rechtliche Schritte gegen Teamchef Bjarne Riis. CSC-Pressesprecher Brian Nygaard sagte unmittelbar nach Veröffentlichung von Jaksches Aussagen im "Spiegel", wonach Riis vom Doping mehrerer Fahrer in seinem Team gewusst habe: "Das ist eine ungeheuer ernste Anklage, die wir sehr ernst nehmen." Man werde Beweise für die Behauptungen des deutschen Fahrers verlangen und danach über juristische Schritte entscheiden. Riis hatte behauptet, als Besitzer und Chef seines CSC-Rennstalls in keinem Fall von Doping gewusst, sondern dies stets aktiv bekämpft zu haben. Jaksche erklärte demgegenüber, dass er sich als CSC-Fahrer 2004 mit Riis über die Einnahme von verbotenen Kortison-Präparaten unterhalten habe. Der dänische Teamchef selbst hält sich zur CSC-Vorbereitung auf die Tour de France in der Schweiz auf und wollte die Vorwürfe Jaksches bisher nicht kommentieren.
Eine verlorene Sportart?
Die Hoffnung auf eine saubere Tour hat inzwischen nicht nur Gerolsteiner-Mann Holczer ("Ich mache mir keine Illusionen mehr") aufgegeben. Nach Aussagen von Jaksche hat der oft zitierte Selbstreinigungs- und Umdenkprozess im Radsport nicht stattgefunden. "Mir hat ein Fahrer erzählt, dass es wegen der Trainingskontrollen Deals geben soll zwischen ein paar Mannschaften und dem Weltradsportverband. Da muss man annehmen, dass es kein generelles Umdenken gibt. Das hat mir dieser Fahrer stolz erzählt. Da wusste ich: Nichts hat sich geändert."
schon heftig wie die die Sportart kaputt machen. Für mich ist keiner der Leute mehr glaubwürdig. Die sollten wirklich mal Pause machen und einfach diese Jahr mal keine Tour fahren. Naja mal kucken wie sich das alles entwickelt. Wer mahr dazu wissen will sollte mal auf
www.t-online.de nachschuaen, sind viele Artikel und alles ziemlich gut beschrieben.