Bis zur Weißglut geärgert! BSG vs SCC 5 : 9

Pucki_seine_Olle
Was außer einer zweistelligen Niederlage kann man schon von einem Spiel gegen den Tabellenzweiten erwarten, der in 8 Spielen bisher knapp 90 Tore erzielte? Mit Sorgenfalten blickten die Betriebssportler aus Neukölln auf das kurzfristig anberaumte Nachholspiel gegen den übermächtigen SCC, denn man musste auf 6 Mann (Sippel, Dittrich, Müller, L. Schröder, M. Schröder und Handy) verzichten. Allein diese Besetzung würde anderen Clubs zu einer guten ersten Reihe gereichen. Trotzdem wollten die Eternitler sich nicht abschlachten lassen und gingen halbwegs gut gelaunt in die Partie und sollten bei der Aufstellung des Gegners eine dicke Überraschung erleben. Stefan Schröder, Topspieler des ASC Spandau, wurde rekrutiert. Das erweckt den Anschein, als würde auch die nächste Landesligasaison ohne den ASC gespielt werden müssen. Ansonsten war der SCC mit Ausnahme des verletzten Mario Plack ziemlich gut besetzt und hatte alle herausragenden Leute an Bord.

Der SCC begann das erste Drittel dann auch mit großer spielerischer Überlegenheit und kam zu einigen guten Chancen. Die BSG hatte aber von Spielertrainer Thomas Neubert "gezielte Provokation" als Marschroute mit auf den Weg bekommen und das funktionierte auch blendend. Der Spielwitz der Charlottenburger wurde nach einiger Haue bereits nach wenigen Minuten spürbar gebremst und Neubert selbst provozierte den Gegner durch übertriebenes Rumstehen an der 2. Blauen. Just in dem Moment, als die ersten Schmährufe kamen, war es auch schon geschehen. Langer Pass, kurzer Antritt und 1:0 für Eternit. Ganz schön angepiekst drehten der SCC jetzt auf und durch ein Solo von Harald Windler gelang der Ausgleich. Eine Übermacht wollte sich aber einfach nicht einstellen. Zu gut hielt BSG-Keeper Dennis Heyll und stets lauerte die Gefahr hinter der Abwehr. Lediglich zwei Überzahlsituationen konnten die Charlottenburger nutzen und durch Schulz und Brännström 1:3 in Führung gehen. In der 18. Minute dann waren wieder laute Schmährufe gegen die "fantasielose" BSG-Taktik von der SCC-Bank zu hören. Gleiches Spiel: Langer Pass, Ablage auf Thomas Kulis und Peng. 2:3. Ein achtbares Ergebnis für die Betriebssportler. Der Autor hörte in der Drittelpause größte Unzufriedenheit aus der SCC-Kabine.

Und das zweite Drittel sollte genau in diesem Stil weitergehen. Nach einem BSG-Konter entstand vor dem Kasten von Sebastian Baader größte Unordnung und Neubert schob zum 3:3 Ausgleich ein. Es folgte ein Phase mit zahlreichen Strafzeiten auf beiden Seiten. Der Spielfluss der Charlottenburger kam teilweise gänzlich zum Erliegen, d.h. bei den immer lauter werdenden Diskussionen bei den Charlottenburgern vergaßen sie einfach, dass sie doch eigentlich die Besseren hätten sein müssen. Und als dann nach einem weiteren Neubert-Konter (so ungefähr der 8. oder 9.) der mitgelaufene BSG-Kapitän Jo Stöckel die erneute Führung wiederherstellte, verloren doch so manche Gegner die Contenance bzw. die gute Kinderstube. Ein Gefühl für die Betriebssportler, das sich schöner als ein Sieg anfühlte. Das war aber leider auch der letzte Grund zur Freude. Jetzt zum Ende des zweiten Drittels ließen sowohl die Konzentration als auch die Kraft bei der BSG nach (einige Akteure waren bis dahin 75% auf dem Eis). Endlich konnten die Charlottenburger für 2 Minuten mal die gewohnte Tormaschine anwerfen. Stefan Schröder, Torsten Jäckel und erneut Harald Windler schafften nach teilweise beeindruckendem Powerplay die Wende und stellten den 4:6 Pausenstand her.

"Bloß nicht zweistellig!" besannen sich die Eternitler auf das Minimalziel für das letzte Drittel. Völlig entkräftet waren einige Akteure und konnten nur noch das weiße Trikot über das Eis fahren. Der SCC dagegen erlebte jetzt die beste Phase des Spiels. Minutenlange Powerplay-Situationen, denen die BSG nur noch mit verzweifelten Aktionen begegnen konnte, brachten bei etwa 20 guten Torchancen "nur" noch 3 Gegentore durch Schröder, Lehmann und Jäckel. Die Paradevorstellung der Charlottenburger wurde in dieser Phase nur vom bedauernswerten BSG-Keeper Dennis Heyll übertroffen. Den Schlusspunkt, der allerdings nur noch Ergebniskosmetik war, setzten aber die Betriebssportler. Benni Heyll erzielte das einzige BSG-Tor des Tages, das nicht durch einen Konter entstand.

Fazit: "Hätte", "Könnte", "Wäre" waren wohl die nach dem Spiel in beiden Lagern am häufigsten gebrauchten Worte. Der SCC freut sich sicherlich über den letztlich natürlich absolut verdienten und leistungsgerechten Sieg, aber wird sich fragen, ob ein Titelfavorit sich 36 Minuten lang die "fantasielose" Taktik einer unterbesetzten Mittelfeldmannschaft überstülpen lassen darf. Das wird gegen den EC Bärlin so nicht reichen. Die BSG ist traurig, da man sich mit Vollbesetzung mehr versprochen hätte, freut sich aber diebisch, den großen SCC zumindest fast zwei Drittel des Spiels bis zur Weißglut geärgert zu haben.

Pucki_seine_Olle


BSG Eternit : SC Charlottenburg 5:9 (2:3, 2:3, 1:3)

20.1.2007 19:30 Uhr Deutschlandhalle



Tore/Vorlagen

BSG Eternit
Neubert (2/2), B. Heyll (1/3), T. Kulis (1/2), Stöckel (1/0), A. Kulis (0/1)

SCC
Windler (2/2), Jäckel (2/2), Schröder (2/0), Lehmann (1/0), Schulz (1/0), Brännström (1/0), Westphal (0/1), Kandziora (0/1), Hans (0/1)


Strafzeiten

BSG Eternit: 24
SCC: 12


Torwart

BSG Eternit
D. Heyll

SCC
Baader


Schiedsrichter
Redzus und Timofeev